Pünktlich um 8 Uhr klingelte jeden Morgen unser Wecker. Aufstehen, anziehen, frühstücken. Um 9 Uhr ging’s dann an die Arbeit. Die spannendste Frage des Tages: „ What is our job for today?“ Einen Tag lang habe ich damit verbracht, 8!!!! sehr große schwarze Müllsäcke zu füllen – und zwar mit Müll der über das ganze Gelände der Farm verstreut lag, Einen Tag lang haben Kerstin und ich die kleinen Pflanzentöpfchen in Form von Einwürfelbehältern geleert und gestapelt. Einen Tag haben wir etwa 20 Regenschläuche entwirrt ( natürlich waren sie alle miteinander in einem riesigen Knäul verknotet), trocknen lassen (ja, es war tatsächlich noch Wasser drin, das überraschenderweise bei negativen Temperaturen gefroren ist) und schließlich aufgerollt und zusammengebunden. Mehrere Tage haben Kerstin und ich die Back Barn aufgeräumt und organisiert. Die Back Barn ist der hintere Teil der Farm, in der so ziemlich alles gelagert wir was man sich vorstellen kann und in der ein Chaos herrscht, kaum vorstellbar. Dieser Ort war auch immer wieder für eine Überraschug gut. Einmal haben wir zum Beispiel eine große Tüte mit Murmeln gefunden :D
Mehrere Tage haben wir Karotten und Beete und Katroffeln marktfertig gemacht und verpackt. Einen Teil des Tages haben wir damit verbracht, die Truthähne, die geschlachtet und vakuumiert wurden, abzuladen, in Kisten zu packen und ins Kühlhaus zu stellen (das nun nicht mehr betreten werden kannà doch, es ist möglich, ich durfte mich schon am Klettern über die Kisten versuchen :O) ). Einen Tag lang haben wir das Haus geputzt. Am Samstag waren wir meistens in Edmonton. Einen Abend haben wir gebacken. Das was wir backen wollten ging nicht weil wir keine Butter hatten und da jeder etwas anderes backen wollte hatten wir am Ende Cookies (ich), Lemon Pie (Gaél), Bananen-Erdnussbutter-Schoko-Kuchen (Kerstin) und ?-Kuchen (Ariana). Ich habe inzwischen Stricken gelernt zumindest die Grundlagen, und habe schon einen Großteil meiner Tasche gestrickt. Wir haben gestrichen und den Truthahnstall (fast fertig) ausgemistet, wir haben die Erde im Greenhouse gelockert und die Pflanze gestutzt.
Das Essen war immer sehr sehr lecker und die heiße Schokolade werde ich sehr vermissen, denn die war einfach fantastisch. Auch wenn wir teilweise meiner Meinung nach zu viel arbeiten mussten, hatte ich eine echt tolle Zeit auf meiner ersten Farm. In Gael und Kerstin hatte ich zwei tolle Freunde in dieser Zeit und wir hatten meistens sehr viel Spaß. Ich werde das gemeinsame Frühstück am Morgen und das Zusammensitzen am Abend vermissen und auch die Gespräche mit Ariana. Und natürlich die Hunde und die Katzen, an die ich mich schon richtig gewöhnt habe. Ich habe Apple Cider und Fudge kennengelernt. Die Landschaft ist unglaublich, denn obwohl alles so flach ist oder gerade deswegen hat man einen einmaligen Blick, denn der Himmel ist meist wolken- und kondenzstreifenlos und blau so weit das Auge reicht und wenn die Sonne untergeht leuchtet er in allen Farben. Leider hat das mit den Fotos nie hingehauen, da ich meinen Fotoapparat nicht dabei hatte oder es einfach nicht so rüberkommt. Dennoch bereue ich meine Entscheidung, zwei Wochen früher als geplant zu gehen nicht, denn da Kerstin ebenfalls letzte Woche gegangen ist und wir im Moment keine richtige Arbeit haben war es dadurch doch teilweise sehr langweilig, vor allem weil ich nach 4 Wochen Zusammenwohnen auf einmal ganz alleine im Trailer war. Auch die Reaktion der Mutter auf meinen Wunsch, 2 Wochen früher zu gehen (2 sehr „nette“ Emails) machten mir den Abschied dann doch leichter :D
Nun sitze ich im Bus nach Calgary, der auf Grund eines Schneesturmes (ganz schön heavy, man sieht kaum etwas und der Wind führt zu starken Verwehungen) inzwischen schon ganz schön Verspätung hat. Megan war so lieb und hat mich bis zur Greyhound Station in Edmonton gebracht (Gott sei Dank, vor dem Weg zum Hostel mit meinem Gepäck graut mir jetzt schon ein bisschen), und ich habe soeben entdeckt, dass wir hier WLAN haben :D Der perfekte Zeitpunkt also, meinen Blog auf das Laufende zu bringen!
Nach meiner Nacht im Hostel in Calgary heute werde ich 2 Wochen auf einer Alpaca Farm verbringen und dann zurück nach Calgary gehen und dort hoffentlich einen Job und ein Zimmer finden. Meine weiteren Pläne für den Moment sind dass ich zurück nach BC möchte, und zwar um Vancouver Island anzuschauen und dann mit Zwischenstopps im Frühling zurück nach Calgary (und auf dem Weg dorthin die Nationalparks anschauen wenn möglich) und dann von Calgary nach Toronto zu fliegen (was ich eben beschlossen habe, da ich nicht 2Tage im Bus verbringen möchte :P ).
Aber mal schauen wie es so läuft, jetzt muss ich dann erst mal einen Job finden und Geld verdienen. Naja, irgendwie geht das Internet im Moment nicht richtig, werde nachher im Hostel nochmal online gehen.
Ich bin schon etwas aufgeregt wegen morgen und hoffe die Farm ist gut, habe von den anderen leider erfahren, dass es oft ein Reinfall ist L
Bis dann, ich wünsche allen einen schönen Tag und liebe Grüße nach Deutschland!
So, nachdem ich über eine Stunde zu spät in Calgary angekommen bin wurde auch mir das Ausmaß des Wetters endlich bewusst :P Aufgrund eines Hurrikans war/ist die Innenstadt gesperrt und die öffentlichen Verkehrsmittel fuhren/fahren nicht. Somit musste ich notgedrungen ein Taxi nehmen, dass natürlich einmal gaaaanz außenrum gefahren ist und mich etwa gleich viel gekostet hat wie das Bed im Hostel. Und in nicht mal 5 Stunden muss ich dann auch wieder los zur Greyhound Station. Hätte ich das mit dem Wetter gewusst hätte ich die Nacht wahrscheinlich dort verbracht und damit 55$ gespart. Ich hoffe nur dass morgen der Zug fährt,...
Wie dem auch sei, jetzt werde ich (frisch geduscht :D ) schlafen gehen und in 4 Stunden geht's dann weiter :D
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